Monatsarchiv: Mai 2011

Deutschland ist wohl doch langweilig…

… zu diesem Schluss koennte man zumindest kommen, wenn man weiss, was in den letzten Wochen und Monaten hier in so passiert ist. Und dabei rede ich keineswegs von persoenlichen Erlebnissen sondern viel mehr von der Tatsache, dass in unserem Schuldistrikt quasi jede zweite Woche etwas anders los zu sein scheint.

Es ist ein schwieriges Thema, darueber zu schreiben, und ich weiss nicht, ob ich es machen wuerde, wenn meine Blogleser die betroffenen Personen kennen wuerden, also allein schon aus Respekt nicht… Aber es hat mich doch teilweise sehr beschaeftigt, weshalb ich es auch mit Deutschland teilen moechte.

Vor ein paar Wochen hoerte man hier und da ein Geruecht, ein Wort, das sich sehr schnell verbreitet hat und wenig spaeter durch eine offizielle Aeusserung der Schule bestaetigt wurde: An einer Nachbarschule (sprich einer anderen Schule im Distrikt) hat ein 15 jaehriges Maedchen eine Pistole mit zur Schule gebracht und sich auf der Toilette erschossen. Wenig spaeter Bombendrohungen in der selben Schule, woraufhin sie komplett geraeumt wurde. Das hat viele Menschen hier sehr mitgenommen und ich finde es sehr erschreckend, dass ein erst 15 jaheriges Maedchen so etwas 1. machen kann und 2. sie ohne weiteres an eine derartige Waffe herangekommen ist.

Zur etwa gleichen Zeit wurde bekannt, dass es an meiner High School ebenfalls einen Selbstmordversuch gab; der betroffene Junge lag ein paar Tage im Koma, doch kurz darauf wurde auch in diesem Fall bekannt, dass ein weiterer Jugendlicher aus unserer Mitte gerissen wurde. Ein anderer starb offensichtlich an einer Ueberdosis, ungefaehr zur gleichen Zeit.

Man koennte meinen, genug fuer ein Schuljahr. Doch leider nein. Diese Woche wurde bekannt, dass ein anderes 15 jaehriges Maedchen gestorben sei. Allerdings nicht durch Selbstmord.

Sie war auf einer Party, betrunken. Die restlichen Partygaeste waren ebenfalls betrunken oder high. Irgendwann ist sie die Treppe heruntergefallen, hat sich den Kopf angestossen und ist unmaechtig geworden. Keiner hat irgendwas vermutet, alle dachten, sie wuerde nur schlafen aufgrund ihres Zustandes – keiner hat sich gekuemmert. 8 Stunden spaeter hat sich doch mal jemand erbarmt und sie ins Krankenhaus gebracht, wo sie ins Koma verlegt wurde. Nur ein paar Tage spaeter wurde bekannt, dass sie es nicht geschafft hat.

Gerade das fand ich schlimm; was fuer “Freunde” lassen einen 8 Stunden lang in einer Ecke liegen? Wie ist es, zu sterben und das letzte, was man davor getan hat, war sich die Kante zu geben? Und was fuer Probleme wird der Gastgeber haben – den Tod einer 15 jaehrigen, sturzbetrunken, in einem Land, in dem man nach dem Gesetz erst ab 21 trinken darf? Ich moechte nicht in der Haut des Gastgebers stecken und auch nicht in der der Eltern..

Gestern habe ich dann erfahren, dass auf einer anderen Schule dieses Wochenende ein Junge gestorben ist; er sei mit seinem Skateboard gefahren, ungluecklich gestuerzt und habe sich den Kopf verletzt. Kurzes Koma, dann auch hier die schreckliche Erkenntnis.

Ich weiss ja nicht, was in meiner Abwesenheit so in Deutschland passiert ist.. aber ich bezweifle, dass so viele so schlimme Dinge in so kurzer Zeit passiert sind.

Denn am Mittwoch wurde ein Infobrief an alle Schueler ausgehaendigt; Gottseidank keine weitere Todesnachricht, dennoch nicht zu unterschaetzen.

Eine 9. Klaesslerlehrerin war gefeuert worden aufgrund ‘unangebrachter Beziehungen zu einem Schueler’ – eine 36 jaehrige hat einem 15 jaehrigen Schueler SMS geschickt, sowie sexuell anregende Bilder. Was genau mit der Lehrerin passiert, weiss niemand.. aber dass auch das nicht unbedingt dazu beitraegt, die Stimmung im Distrikt zu heben, ist klar.

Ich bin sehr gespannt auf meine verbleibenden Wochen hier in Texas und hoffe sehr, dass nicht noch mehr solcher Dinge passieren. Indem ich davon schreibe hoffe ich, dass vielen vielleicht klar wird, wie viel Glueck sie haben und wie schnell es doch vorbei sein kann… sei es nun durch einen Unfall auf einer Party oder auch nur beim Skateboarden… das Leben ist zu kurz um auch nur einen Augenblick zu verschenken!

Manchmal brauchen wir krasse Formen der Erinnerung, um uns das zu verdeutlichen…

(P.S. Ja, ich weiss mein Deutsch ist schlecht. Ja, es waere mir leichter gefallen, diesen Artikel auf Englisch zu schreiben. Nein, ich schaeme mich trotzdem nicht dafuer! ;) )